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FAIRTRADE erhöht Kakao-Mindestpreis um 20 Prozent

Kleinbauernfamilien sollen dadurch ein menschenwürdiges Einkommen erzielen und so auch die zukünftige Produktion gesichert werden.

Geöffnete Kakaoschote. Foto: Fairtrade Österreich, Gnago
Geöffnete Kakaoschote. Foto: Fairtrade Österreich, Gnago kakaoschote-geoeffnet_c__fairtrade_oesterreich_gnago__3_

2017 ist der Weltmarktpreis für Kakao um mehr als ein Drittel eingebrochen. Unter den Preisschwankungen leiden insbesondere die Bäuerinnen und Bauern. Fairtrade ist das einzige Zertifizierungssystem mit einem verpflichtenden Mindestpreis, der als Sicherheitsnetz dient, wenn die Marktpreise fallen, während die Kleinbauernorganisationen dennoch von steigenden Marktpreisen profitieren können.

Der von der Regierung der Elfenbeinküste, dem weltweit größten Anbauland für Kakao, festgesetzte Kakaopreis beträgt aktuell 2.124 US-Dollar (FOB). Wenn der Fairtrade-Mindestpreis aber höher ist, zahlen die Käufer von Fairtrade-Kakao die Differenz an die Kleinbauernorganisation.

Auch die Fairtrade-Prämie steigt um 20 Prozent

Die zusätzliche Fairtrade-Prämie wird von 200 auf 240 US-Dollar pro Tonne angehoben. Die Prämie ist ein Betrag, der über den Einkaufpreis für den Kakao hinaus direkt an die Kleinbauernorganisationen gezahlt wird, die dieses Geld in selbst gewählte Projekte investieren. Die Prämie trägt dazu bei, dass Kooperativen sich zu starken und professionellen Organisationen entwickeln, die auf die Bedürfnisse ihrer Mitglieder eingehen und sie als langfristige Geschäftspartner stärken. Im Jahr 2017 nahmen Fairtrade-Kakaokooperativen Prämiengelder in Höhe von fast 43 Millionen US-Dollar für Investitionen in ihre Betriebe und Projekte für die Gemeinden ein.

Preise vom Fairtrade-Standardkomitee beschlossen

Die neuen Preise wurden vom Fairtrade-Standardkomitee beschlossen, einem aus verschiedenen Akteuren
zusammengesetzten Gremium, dem auch Vertreterinnen und Vertreter von Produzentenorganisationen und
Handel angehören. Sie treten am 1. Oktober 2019 in Kraft. Dem Beschluss ging ein umfassender Konsultationsprozess entlang der Kakaolieferkette voraus, der Fairtrade-Bäuerinnen und -Bauern, Handelsunternehmen, Hersteller und Schokoladenmarken sowie die Zivilgesellschaft einschloss.

Kakao-Bauer Theodor Kouakou beim Ernten. Foto: fairtrade_stpierre
Kakao-Bauer Theodor Kouakou beim Ernten. Foto: fairtrade_stpierre ernte-theodor-kouakou-elfenbeinkueste_c__fairtrade_stpierre_4_

Einkommen oberhalb der Armutsgrenze sicherstellen

Die Herausforderungen in der westafrikanischen Kakao-Branche sind enorm, wie eine Fairtrade-Studie vom April 2018 zeigt: Das Einkommen von 58 Prozent der Fairtrade-zertifizierten Haushalte im Kakaoanbau der Elfenbeinküste lag laut Studie unterhalb der absoluten Armutsgrenze. Der neue Fairtrade-Mindestpreis soll es Durchschnittshaushalten im Fairtrade-zertifizierten Kakaoanbau ermöglichen, ein Einkommen oberhalb der extremen Armutsgrenze zu erzielen. In drei Jahren sollen Mindestpreis und Prämie für Kakao wieder überprüft werden.

„Das sind gute Neuigkeiten für die Menschen im Kakaoanbau in Westafrika,” meint Fortin Bley, ivorischer Kakaobauer und Vorsitzender von Fairtrade Afrikas westafrikanischem Produzentennetzwerk. „Bäuerinnen und Bauern wurden durch niedrige Weltmarktpreise schwer unter Druck gesetzt. Der höhere Fairtrade-Mindestpreis und die höhere Prämie tragen dazu bei, den Weg in eine nachhaltigere Zukunft zu ebnen.“

Living Income Reference Price

Die Überarbeitung von Mindestpreis und -Prämie erfolgt in Verbindung mit einer umfassenderen Fairtrade Strategie, die auf existenzsichernde Einkommen für Kakaobäuerinnen und -bauern hinarbeitet. Im Rahmen dieser Strategie hat Fairtrade International auch einen Richtpreis für existenzsichernde Einkommen für Kakao in Côte d’Ivoire und Ghana ermittelt, den sogenannten „Living Income Reference Price“. Er ist der erste Richtpreis für die Branche, der auf Richtwerten für existenzsichernde Einkommen und Konsultationen zu Betriebskosten der Produzenten beruht.
Dieser Zielpreis basiert auf der von der „ISEAL Living Income Community of Practice“ durchgeführten Berechnung der Summe, die je nach Land benötigt würde, um die durchschnittlichen Haushaltskosten im Kakaoanbau für Lebensmittel, Unterkunft, Kleidung, Gesundheitsversorgung, Bildung sowie für eine kleine Notfallreserve zu decken. Im nächsten Schritt wurden Produktivitätsindikatoren und die Kosten einer nachhaltigen Produktion in die Berechnung einbezogen. Die Grundlage dieses Preismodells wurde ebenfalls in einem Konsultationsprozess mit Produzentenorganisationen, Industrie und Zivilgesellschaft geprüft.

Referenzpreis als Teil einer ganzheitlichen Strategie

Der Fairtrade-Mindestpreis basiert auf FOB-Verkaufsebene, weil er sich auf das Einkommen landwirtschaftlicher
Kleinbetriebe bezieht. Dagegen dient als Berechnungsgrundlage des Referenzpreises für existenzsichernde
Einkommen das sogenannte „Farm Gate“-Level. Er beträgt für die Elfenbeinküste 2.668 US-Dollar pro Tonne Kakao und für Ghana 2.300 US-Dollar. (Zum Vergleich: Umgerechnet auf Farm Gate-Level würde sich der neue Fairtrade-Mindestpreis für die Elfenbeinküste zum aktuellen Kurs auf ca. 1.600 US-Dollar pro Tonne belaufen.) Der Referenzpreis sollte ermöglichen, dass Bäuerinnen und -bauern, die Vollzeit im Kakaoanbau tätig sind, ein existenzsicherndes Einkommen verdienen. Um dies zu erreichen muss der Preis Teil einer ganzheitlichen Strategie sein, die auch Produktivitätssteigerungen und die Diversifikation von Nutzpflanzen umfasst. Im Gegensatz zum Fairtrade-Mindestpreis ist der Referenzpreis für existenzsichernde Einkommen nicht verpflichtend. Durch die Erhöhung des Fairtrade-Mindestpreises verringert sich die Differenz zwischen dem durchschnittlichen Einkommen eines ivorischen Kakaobauers und dem existenzsichernden Einkommen um rund ein Viertel; ein erster Schritt in einem stufenweisen und kollektiven Ansatz, um die Kluft zu schließen.
Darío Soto Abril, Geschäftsführer von Fairtrade International: „Der Preis, den Bäuerinnen und Bauern erhalten,
ist ein kritischer Faktor. Er muss dringend steigen, damit sich Kakaobauern einen annehmbaren Lebensstandard
für sich und ihre Familien leisten können. Wir arbeiten engagiert mit unseren Partnern, um existenzsichernde Einkommen Wirklichkeit werden zu lassen und begrüßen auch andere mutige Vorstöße aus der gesamten Branche.“

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