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Marisa Mühlböck, Geschäftsführerin Taktile Gesundheitsvorsorge

Blinde hochgradig sehbehinderte Frauen können mit ihren herausragenden taktilen Fähigkeiten schon kleinste Knoten in der Brust erkennen.

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Foto: Privat Privat

Die Untersuchung findet in angenehmer Atmosphäre statt und ist weitgehend schmerzfrei. Dr. Marisa Mühlböck hat die Vorsorgeuntersuchung nach der discovering hands-Methode nach Österreich gebracht. Das niederschwellige Angebot ist besonders gut geeignet, Frauen aus unterschiedlichen sozialen Schichten anzusprechen. Zudem werden neue Jobs geschaffen. In Deutschland ist diese Methode bereits etabliert. „Wir arbeiten intensiv daran, auch hier in Österreich ein eigenes Berufsbild der Medizinischen Tastuntersucherin (MTU) einzuführen, damit Arzt oder Ärztin die Tastuntersuchung an eine MTU delegieren dürfen“, berichtet Dr. Mühlböck.

BUSINESSART: Wie bist du auf die Idee gekommen, dieses Projekt in Österreich aufzubauen?

Dr. Marisa Mühlböck: Das war nicht meine Idee, sondern der Begründer der Methode, der deutsche Gynäkologe Frank Hoffmann, wollte und will discovering hands auch in andere Länder bringen. Ich bin gefragt worden, ob ich dafür die Geschäftsführung in Österreich übernehmen möchte.

Was motiviert dich?

Die Überzeugung, dass Wirtschaft und Soziales sich nicht ausschließen, sondern im Gegenteil, sich unter den richtigen Voraussetzungen sogar optimal ergänzen, verfolgt mich schon seit dem Studium. Ich möchte zeigen, dass Social Entrepreneurship wirklich funktionieren kann und welch mehrfachen gesellschaftlichen Impact discovering hands schafft.

Was waren die bisherigen Meilensteine?

Auf organisatorischer Ebene sicher der erfolgreiche Abschluss der Ausbildung der ersten österreichischen Tastuntersucherinnen – die im Übrigen im Vergleich mit den deutschen Kolleginnen bei der Prüfung ganz hervorragend abgeschnitten haben. Im Alltag ist es jedes Mal ein Meilenstein, wenn wir von Studienteilnehmerinnen positives Feedback bekommen. Wir erheben das regelmäßig und wissen, dass mehr als 90%der Teilnehmerinnen die Untersuchung wieder durchführen lassen würde.

Ende des vergangenen Jahres wurde discovering hands in Österreich mit dem renommierten Get Active Social Business Award ausgezeichnet – das war für das gesamte Team eine riesengroße Ehre und Motivation.

Und dann sind natürlich so kleine Episoden ganz besonders schön, wenn z.B. eine Patientin sich bei unserer Tastuntersucherin mit einem so wunderbaren Symbol wie einer Sonnenblume bedankt.

Was sind die größten Hindernisse?

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Österreich. Im Unterschied zu Deutschland ist bei uns der Ärztevorbehalt strenger ausgelegt. Das bedeutet, dass bei uns zuerst ein eigenes Berufsbild der Medizinischen Tastuntersucherin (MTU) geschaffen werden muss, damit Arzt oder Ärztin die Tastuntersuchung an eine MTU delegieren dürfen.

Wie bewältigst du sie?

Das Gesundheitsministerium hat ein Studienprojekt genehmigt, in welchem wir Evidenz für die Sinnhaftigkeit der Tastuntersuchung durch blinde und hochgradig sehbehinderte Frauen sammeln. Darauf liegt der Fokus. Parallel dazu evaluieren wir, wie optimale und reibungslose Prozesse aussehen – Mediziner/in und MTU arbeiten ja immer im Team: Die MTU ist das Diagnoseinstrument, der Arzt stellt die Diagnose – z.B. im niedergelassenen Bereich beim Gynäkologen oder auch im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsvorsorge. Insbesondere möchten wir auch Frauen mit niedriger Gesundheitskompetenz über unserer niederschwellige Methode in die Gesundheitsvorsorge integrieren. Hier gilt es, genau zu identifizieren, unter welchen Voraussetzungen das möglich ist.

Wer unterstützt dich?

Ärztinnen und Ärzte, welche sich mit dem Thema Brustgesundheit beschäftigen und von denen wir viel Zuspruch erhalten; Frauen, die von der Methode begeistert sind und sich eine Etablierung in Österreich wünschen – es unterstützen uns auch viele betroffene Patientinnen, die uns wichtige Inputs geben, hier möchte ich insbesondere meine Kolleginnen im Vorstand des Brustkrebsnetzwerks Europa Donna Austria hervorheben; Stakeholderinnen und Expertinnen aus dem Bereich Behinderungen und Arbeitsmarktintegration – um nur einige wenige zu nennen. Und am allermeisten: Die Begeisterung im eigenen Team, wenn uns wieder einen Schritt nach vorne bewegt haben oder einfach wenn jede ihre Arbeit toll macht und ich merke, dass wir an einem Strang ziehen.

Was hast du für 2019 vor?

Die Evaluierungsprojekte mit Hochdruck fortführen und damit die Basis liefern, dass discovering hands langfristig in Österreich verankert werden kann.

Was wünscht du dir von der neuen Bundesregierung?

Offenheit für innovative Zugänge und dass sie sich als Player sieht, der soziale Innovationen möglich macht, anstatt neue Barrieren zu schaffen.

Wie soll sich Österreich als Land positionieren?

Ich wünsche mir, dass sich Österreich glaubhaft als Leuchtturm der (sozialen) Innovateure, als Land der Problemlöser positioniert und dafür auch auf europäischer Ebene Akzente setzt. Davon können wir nicht nur hierzulande, sondern international jede Menge benötigen.

Taktile Gesundheitsvorsorge GmbH, Wien

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