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Drei Unternehmen, die aus dem Lebensende von Produkten einen Neuanfang gemacht haben.

Ein Kind, von dem man nur die Hände sieht, legt leere PET-Flaschen in eine grüne Recyclingtonne, welche schon randvoll ist.
titelbild-neues-leben-fuer-alten-kunststoff Foto: Curated Lifestyle/unsplash

Kunststoff kleinteilig verarbeiten

plasticpreneur: ein österreichisches Start-Up mit weltweitem Impact

„Unzählige Handwerksbetriebe verarbeiten Holz, Glas, Metall oder Papier. Aber für Kunststoff, der uns heute überall umgibt, gab es keine Möglichkeit, diesen einfach zu verarbeiten”, sagt Sören Lex, Mitgründer von plasticpreneur. Dabei lasse er sich gut verformen und mit deutlich weniger Energie als etwa Glas wiederverwenden.

Die Kunststoffbranche ist eine hochautomatisierte Industrie mit großen Stückzahlen von 100.000 und mehr. Auf der anderen Seite produziert der 3D-Druck Einzelstücke. Dazwischen klaffte eine Lücke. Diese hat das Start-Up plasticpreneur nun geschlossen. Das Konzept basiert auf drei Säulen: Ausbildung inklusive Umweltbewusstsein schaffen, die Produktentwicklung und die Produktion kleiner Serien. Ziel bei der Produktentwicklung sei ein niederschwelliger Zugang zu Kunststoffverarbeitung und -recycling gewesen. „Als Quereinsteiger haben wir uns den Prozess angesehen: sammeln, sortieren, waschen, schreddern, einschmelzen. Dann haben wir versucht, einfache Maschinen dafür zu bauen, die jeder sofort nutzen kann.“, erzählt Lex. Im Vergleich zu einer großen Spritzgussanlage sei das kein besserer oder schlechterer Zugang, sondern einfach ein anderer.

Inspirieren ließen sich die Gründer in Afrika, wo es enorm große Mengen an Plastikmüll gibt, zugleich aber einen Bildungsbedarf und zu Jobs . So entstanden die ersten kurbelbetriebenen Maschinen, um aus Plastikstöpseln neue Produkte zu erzeugen. 80 Prozent des Umsatzes macht plasticpreneur heute jedoch in Europa, Japan und den USA. Die Kund*innen sind Unternehmen, NGOs, Unis und HTLs, welche in der Regel eine der drei Säulen nutzen.

Wie geht Innovation? „Im technischen Bereich wollen wir immer alles noch besser machen und werden deshalb nie fertig“, sagt Lex und empfiehlt folgende Frage: „Was braucht der Kunde und was ist für ihn gut genug? Unser Paradekunde ist eine deutsche Firma mit 8 Milliarden Euro Umsatz, die mit einer handbetriebenen Spritzgussmaschine jede Woche ein paar Teile produziert. Das sieht unkonventionell aus, aber ist im Kosten-Nutzen-Vergleich der perfekte Fit. Dieses pragmatische Umdenken möchten wir in Firmen und auf Hochschulen tragen.“ 

plasticpreneur.com


Sekundär-Rohstoffe aus dem gelben Sack

TriPlast: Joint Venture von Bernegger, ARA und Der Grüne Punkt

„Die Recyclingquote für Kunststoff muss laut EU-Vorgaben erhöht werden. Österreich benötigt dafür zusätzliche Sortierkapazitäten“, erzählt Kurt Bernegger junior, Geschäftsführer der gleichnamigen GmbH, wie es zur Idee, eine neue Kunststoffsortieranlage zu entwickeln kam. In der auf Verpackungsmaterial spezialisierten Altstoff Recycling Austria AG, kurz ARA, und der Holding „Der Grüne Punkt“, fand Bernegger die „richtigen Parnter“ für das Jointventure TriPlast. Österreichs größte Kunststoffsortieranlage arbeitet nun seit Sommer 2024 im oberösterreichischen Ennshafen.

Trotz der Erfahrung der drei Unternehmen betrat das Konsortium mit dem Projekt Neuland, erklärt Bernegger: „Wir sortieren 24 verschiedene Fraktionen, also Wertstoffe. Unser Ziel, 80 Prozent der Kunststoffverpackungen aus dem Gelben Sack zu sortieren, konnten wir innerhalb kurzer Zeit erreichen.“ Mit Hilfe von Infrarot-Sensorik und KI kann TriPlast die Hälfte aller österreichischen Leichtverpackungen sortieren. Im Sinne der Kreislaufwirtschaft entstehen daraus Sekundärrohstoffe für die Industrie. Sortiert wird auch nach Qualität: So werde nach der Farbe unterschieden, denn weißer oder transparenter Kunststoff kann hochwertiger recycelt werden.

Wie geht Innovation? „Wenn das Klima im Unternehmen und den Teams passt, entsteht Innovation oft von selbst. Das leben wir auch so, denn die Abfall- und Kreislaufwirtschaft ist ein disruptiver Markt“, sagt Bernegger. „Neue Gesetze bringen Druck, aber genauso neue Geschäftschancen, die sich jedoch wirtschaftlich rechnen müssen. Es braucht also auch Hausverstand. Die Diskussion hierzulande über die Neuorganisation der Förderlandschaft sehe ich als notwendig an. Doch wir benötigen weiterhin die Unterstützung der öffentlichen Hand, um große Pionierprojekte entwickeln und dann unser Know-how weltweit exportieren zu können.“

www.triplast.at


Umweltfreundlich reinigen

Werner & Mertz: Vorreiter der Kreislaufwirtschaft

„Pionier ist man kontinuierlich, nicht nur einmal. Großen Impact für die Umwelt sehen wir im Moment im technischen Kreislauf, wo es um Verpackungen und Flaschen geht“, sagt Florian F. Iro, Geschäftsführer von Werner & Mertz in Hallein. Neben der Zentrale in Mainz ist dort der zweite Produktionsstandort der familiengeführten Gruppe, bekannt für Marken wie Frosch oder Erdal.

Der neue Sprühkopf der Reinigungsmittelflaschen kommt ohne Metallfeder und Alu-Sieb aus. Erstmals bestehen alle Elemente aus nur einem Kunststoff: Polypropylen. Die Flaschen selbst sind aus 100 Prozent Recyclat, also Altplastik. So kann man sie am Ende des Lebenszyklus als Ganzes zerkleinern, einschmelzen und zu neuen verarbeiten. Zum Gesamtkonzept gehört auch, die Flaschen möglichst lange zu nutzen: Mit Nachfüllbeutel und einem Sprühkopf für rund 5000 Sprühstöße kann man eine Flasche elfmal wiederverwenden.  

 Damit Plastikabfall nicht verbrannt wird oder auf Deponien landet, braucht es nicht nur Verpackungen, die für Recycling designt werden, sondern auch die Möglichkeit, diese im Kreislauf zu halten. Werner & Mertz startet 2012 mit einer Recyclat-Initiative, um Partner dafür zu gewinnen, erklärt Iro: „Jemanden, der die Verpackungen von den Haushalten sammelt, etwa die ARA; ein Werk wie TriPlast, das sortiert; ein weiteres Werk das daraus Recyclat macht und ein Unternehmen wie Alpla, das daraus wieder neue Flaschen formt. Das ist die Power of Cooperation.“

Wie geht Innovation? „Nachhaltigkeit ist für uns kein Trend, sondern gelebte Überzeugung, wir nennen das authentische Wahrhaftigkeit. Daher kommen Industriepartner mit neuen Ideen zu uns“, erklärt Iro und führt weiter aus: „Viele EU-Länder verpflichten die Industrie, Recyclate einzusetzen, sonst fällt Plastiksteuer an. Eine solche Regelung würde ich mir auch für Österreich wünschen. Je mehr mitziehen, desto wirtschaftlicher wird es für alle. Ressourcen sind begrenzt, Rohstoffpreise steigen rasant, deshalb ist die Kreislaufwirtschaft für Europa das einzige Modell mit Zukunft.“

www.wm-holding.at


Michaela Ortis

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