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plasticpreneur

In mehr als 90 Ländern aktiv

Das Team von plasticpreneur: 1. Reihe vlnr.: Boris Rauter, Raphaela Egger, Vera Ertelt, Simon Prünster, Marissa Florian
2. Reiche vlnr: Wolfgang Esterl, Sören Lex, Christian Esterl, Florian Mikl
1. Reihe vlnr.: Boris Rauter, Raphaela Egger, Vera Ertelt, Simon Prünster, Marissa Florian; 2. Reiche vlnr: Wolfgang Esterl, Sören Lex, Christian Esterl, Florian Mikl Foto: Plasticpreneur

Raphaela Egger, Sören Lex und Florian Mikl, plasticpreneur

Plasticpreneur ist ein junges Social- & Green-Tech-Unternehmen, das kleine, handliche, einfach zu bedienende Kunststoffrecyclingmaschinen und dazu passende Produktformen produziert. Damit wird bereits weltweit, vor allem aber in den Ländern des Globalen Südens, Zugang zu unkompliziertem, eigenständigem und dezentralem Kunststoffrecycling ermöglicht.

BUSINESSART: Ihr habt euer Unternehmen 2020 gegründet, mit dem Ziel, Kunststoffrecycling in den Ländern des globalen Südens zu ermöglichen. Was hat euch überrascht? Was habt ihr gelernt?

Sören Lex: Ziel war, Menschen in infrastrukturell schwachen Regionen einen Zugang zu Recycling zu bieten und Arbeits- und Ausbildungsplätze entlang der Wertschöpfungskette von Kunststoffrecycling zu schaffen. Was wir damals nicht am Schirm hatten ist, dass dieser niederschwellige Zugang zu Kunststoff generell nicht vorhanden ist. Nachdem er ein relativ „junger“ Rohstoff ist, dessen Verwendung erst nach der industriellen Revolution so richtig in Fahrt gekommen ist, und ein Rohstoff, der sich ideal für Massenproduktion eignet, wurden Systeme und Prozesse mit dazugehörigen Anlagen recht rasch in industriellen Maßstäben umgesetzt. Im Vergleich zu den meisten anderen gängigen Rohstoffen wie Holz, Metall, Papier und Glas konnte sich so kein „Handwerk“ mit Traditionen, verschieden ausgeprägten Richtungen und Schnittstellen entwickeln. Bei allen gängigen Materialien gibt es vom Werkstattraum/Hobbyraum bis hin zur vollautomatisierten Industrie alle Abstufungen und Möglichkeiten einer Weiterverarbeitung – wenn es dafür die geeigneten Maschinen, Spritzgussformen und weitere Tools gibt. Die bietet heute plasticpreneur für Kunststoff, der nun niederschwellig verarbeitet werden kann.

Das ist euch gelungen. Ihr seid in mehr als 90 Ländern aktiv.

Neben dem globalen Süden haben sich weitere Anwendungsmöglichkeiten ergeben, sowohl hinsichtlich der Zielgruppen als auch geografisch – vom Basislager des Mount Everest bis zu den Karibischen Inseln, von multinationalen NGOs bis zu lokalen Organisationen, von Universitäten bis hin zu Kindergärten wird aus Kunststoffabfall Neues gefertigt. Je nach Kundensegment legen wir den Fokus auf andere Schwerpunkte: Bewusstseinsbildung und Ausbildung, technische Fortbildung und der Einsatz in der Lehre, Prototypenentwicklungsprozesse und Produktion, Kunst und Design bis hin zum Ziel, möglichst viel sozialen und/oder ökologischen Impact zu generieren.

2023 wurde beispielsweise mit dem Aufbau eines Recyclingcenters in Ostgrönland begonnen, um Kunststoffmüll zu verarbeiten, anstatt ihn in der Umwelt zu deponieren. Gleichzeitig ermöglicht dieses Projekt Jugendlichen in einer sehr entlegenen Region eine Beschäftigung.

Wie geht es euch wirtschaftlich?

In den letzten Jahren konnten Produktion und Vertrieb auf 180 bis 200 Maschinen pro Jahr ausgebaut werden. 95 Prozent unseres Umsatzes werden zurzeit Inbound generiert, das heißt, dass uns Kund*innen kontaktieren und nicht umgekehrt. Daher haben wir auch noch keine aktiven Marketing- oder Vertriebsprozesse.

Was sind eure nächsten Schritte?

Wir bauen standardisierte Marketing- und Vertriebsprozesse auf, um unseren Impact zu steigern. Ende 2023 werden wir technologisch überarbeitete Maschinen auf den Markt bringen und das Produktportfolio wird weiter ausgebaut. Aus diesem Grund ist ein interdisziplinäres Team extrem wichtig: Produktdesign, Entwicklung von Lehrinhalten und Methoden, Maschinenkonstruktion und Endmontage, marktseitiges Verständnis und Geschäftsmodellentwicklung etc. sind die Basiskompetenzen, damit wir die verschiedenen Kund*innen und Projektanfragen bedienen können.

Wo steht die Kreislaufwirtschaft auf dem Weg zur Nachhaltigkeit auf einer Skala von 0 (kein einziger Schritt gesetzt) bis 10 (alles geschafft)?

6.

Was sind die drei wesentlichen Nachhaltigkeits-Herausforderungen für die Kreislaufwirtschaft?

  • Begrenzte Innovation, um neue Methoden, Wege, Produkte und Geschäftsmodelle zu entwickeln, umzusetzen und einzuführen.
  • Das Koppeln und Zusammenspielen von ökonomischen Zielen mit den Nachhaltigkeitszielen ist nicht einfach.
  • Gesellschaftliche Priorität: In einer Welt mit so vielen Herausforderungen – Pandemien, Naturkatastrophen, Kriegen, Inflation – ist Kreislaufwirtschaft langfristig gesehen sicher eine gute Antwort. Kurzfristig geht es aber meist um andere Dinge.

Was sind die wichtigsten Maßnahmen, um diese zu meistern?

Menschen zu finden, die mitmachen möchten, und dann einfach tun. Alles Weitere entwickelt sich dann daraus.

Was bedeutet „gestalten“ für euch?
Einen positiven Beitrag zu leisten – und anderen die Möglichkeit geben, dies ebenso zu tun.

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Doris Palz hielt die Laudatio für Raphaela Egger von Plasticpreneur, Roswitha Reisinger überreichte die Urkunde. feelimage/Matern

plasticpreneur gmbh, Klagenfurt
Branche: Maschinenbau
Anzahl der Mitarbeiter*innen: 13
Website: https://plasticpreneur.com/

Das Team von plasticpreneur: 1. Reihe vlnr.: Boris Rauter, Raphaela Egger, Vera Ertelt, Simon Prünster, Marissa Florian
2. Reiche vlnr: Wolfgang Esterl, Sören Lex, Christian Esterl, Florian Mikl
1. Reihe vlnr.: Boris Rauter, Raphaela Egger, Vera Ertelt, Simon Prünster, Marissa Florian; 2. Reiche vlnr: Wolfgang Esterl, Sören Lex, Christian Esterl, Florian Mikl Foto: plasticpreneur