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Shared Value: “Gesellschaftlicher Mehrwert sichert langfristigen Erfolg von Unternehmen”

Die corporAID Plattform für Wirtschaft und Entwicklung veranstaltete am 15. Mai den corporAID Multilogue zum Thema „Shared Value in Emerging Countries“ in Kooperation mit der ARA AG und der Österreichischen Entwicklungsbank.

Foto: ICEP
Bernhard Weber (ICEP), Andreas Blüthner (BASF), Marc Pfitzer (FSG), Thomas Fahnemann (Semperit AG) icep

Shared Value-Experte Marc Pfitzer von der Foundation Strategy Group FSG präsentierte die aktuelle Studie „Shared Value in Emerging Markets“ und sprach mit Thomas Fahnemann von der Semperit AG und Andreas Blüthner von BASF, wie Unternehmen ihre Geschäftschancen durch Armutsbekämpfung erweitern können. Fazit: Der Erfolg von Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern hängt langfristig davon ab, ob sie einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen können.

Die corporAID Plattform für Wirtschaft und Entwicklung lud am 15. Mai Marc Pfitzer, Managing Director von FSG Europe nach Wien, wo er darüber sprach, warum sich Unternehmen mit Shared Value befassen sollen und wie sie konkret an der Schnittstelle zu Wirtschaft und Entwicklung arbeiten können.

Vor etwa zehn Jahren entwickelten die FSG-Gründer Michael Porter und Mark Kramer das Konzept des Shared Value, das für die Verknüpfung von unternehmerischem sozialen Engagement mit dem Kerngeschäft steht. „Als das Konzept 2006 erstmals in Wien vorgestellt worden ist, war das noch ein Insider-Thema“, so ICEP-Geschäftsführer Bernhard Weber, „Mittlerweile hat sich das Konzept weiterentwickelt und gewinnt für österreichische Unternehmen immer mehr an Bedeutung. Durch die stärkere Internationalisierung der österreichischen Wirtschaft werden Unternehmen zunehmend vor Fragen der gesellschaftlichen Verantwortung gestellt.“

Kosten sparen durch gesellschaftliches Engagement
Shared Value steht für eine Unternehmensstrategie, die Lösungen für soziale und ökologische Probleme bietet und dadurch einen Mehrwert für die Gesellschaft und das Unternehmen schafft. Dazu gehören etwa die Anpassung der Produkte an die Bedürfnisse lokaler Märkte, Einbindung lokaler Akteure in die Wertschöpfungskette oder Verbesserung der Infrastruktur in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Für welche gesellschaftlichen Herausforderungen Unternehmen Lösungen anbieten können, hängt vom Geschäftsmodell ab. FSG-Managing Director und Shared Value-Experte Marc Pfitzer hat aber einen Tipp für Unternehmen: „Finden Sie heraus, ob Sie für jene Posten, die im Unternehmen die höchsten Kosten verursachen eine Anknüpfung zu Ihrem gesellschaftlichen Umfeld finden. Meist können Sie durch die Lösung eines gesellschaftlichen Problems auch die Kosten für das eigene Unternehmen senken.“ Ein Beispiel dafür ist etwa die InterContinental Hotels Group: In rund 2.000 Hotels der Gruppe wurde der Energieverbrauch ermittelt. Mit gezielten Maßnahmen konnten die Hotels bis zu 25 Prozent des Verbrauchs und dadurch die Kosten deutlich reduzieren.

Shared Value als Investition in die Zukunft
Die Bewältigung von sozialen Herausforderungen beschäftigt besonders international tätige Unternehmen. Für die Semperit AG ist Shared Value in mehrfacher Hinsicht relevant: In der Produktgestaltung spielen Sicherheit und Umweltschutz eine große Rolle. So schützen die aus Naturkautschuk gefertigten Gummihandschuhe nicht nur medizinisches Personal vor der Übertragung von Krankheiten, sondern werden auch bis zu 70 Prozent CO2-neutral gefertigt. Die Semperit AG beschäftigt sich auch in Sachen Wertschöpfungskette mit dem Ansatz: Über 6.000 der insgesamt 10.000 Semperit-Mitarbeiter sind in Asien angestellt. Hier ist das Unternehmen mit gerechter Entlohnung und sozialer Grundversorgung darum bemüht günstige Lebensbedingungen für die Angestellten sicherzustellen, um gut ausgebildete Mitarbeiter dauerhaft im Werk zu behalten. „Mehrwert für die Gesellschaft kann den langfristigen Erfolg eines Unternehmens gewährleisten“, so Semperit-CEO Thomas Fahnemann.

Unternehmen sind Teil der Lösung
Ein weiteres Beispiel wie Shared Value funktionieren kann, gibt das deutsche Chemieunternehmen BASF: Mit der Vitamin A-Anreicherung von Speiseöl oder Mehl steuert der Konzern der Mangelernährung entgegen. Der Vorgang nennt sich Food Fortification und wird von BASF gemeinsam mit internationalen Organisationen wie der UNICEF sowie lokalen Behörden in über 30 Ländern umgesetzt.

Andreas Blüthner, Food Fortification-Director von BASF, sieht Shared Value als zukunftsweisendes Konzept für internationale Unternehmen: „In den letzten Jahren hat kaum ein Konzept die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Entwicklung erfasst wie Shared Value. Der Ansatz verbindet geschäftliche Möglichkeiten mit entwicklungspolitischen Notwendigkeiten. Unternehmen können dabei Teil der Lösung sozialer Probleme sein ohne ihr Know-how und ihr Engagement zu verschenken.“

ICEP und corporAID
Die Entwicklungsorganisation ICEP – Institut zur Cooperation bei Entwicklungs-Projekten ist 1996 als private, unabhängige Initiative entstanden, um von Österreich aus einen effektiven Beitrag zur globalen Armutsbekämpfung zu leisten. ICEP berät Partner in Entwicklungsländern bei der Integration armer Menschen in Wirtschaftskreisläufe.

Mit der corporAID Plattform für Wirtschaft, Entwicklung und globale Verantwortung bietet ICEP der Wirtschaft eine Plattform für Information, Kommunikation und Mainstreaming ihrer gesellschaftlichen Verantwortung und setzt globale Armutsbekämpfung auf die Agenda österreichischer Unternehmen. Die corporAID Plattform umfasst das corporAID Magazin, Fachveranstaltungen sowie Research und Publikationen.

Mehr Informationen auf www.icep.at und www.corporaid.at

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