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Sport-Events: Die Verantwortung wird geteilt, bis am Ende ein großes Geschäft ohne Verantwortung übrig bleibt

Am 12. Juni füllen sich die Stadien in Brasilien zu Fußball-Weltmeisterschaft, dem größten Sport-Event der Welt.

Doch mittlerweile zeigt sich, dass Großereignisse, wie die Fußball-WM in Brasilien oder die Olympischen Spiele in Sotchi, nicht nur Millionen begeistern, sondern auch den Blick auf ökologische, soziale und ethische Missstände in den Gastgeberländern lenken. Im Interview bewertet Gerold Permoser, Chief Investment Officer der Erste Asset Management (EAM), Großveranstaltungen aus Sicht des ESG-Investors.

Herr Permoser, wie bewerten Sie Sportgroßveranstaltungen wie die Fußball-WM in Brasilien unter Nachhaltigkeitskriterien?
Permoser:
Mit der Organisation von Sportgroßveranstaltungen sind an vielen Punkten unter ökologischen, sozialen und Unternehmensführungs-Aspekten (Environment, Social and Governance, ESG-Aspekte) negative Auswirkungen verbunden. Die betroffenen Menschen lehnen sich gegen die sozialen Missstände in ihrem Land auf und wehren sich. Das geschieht aktuell auch in Brasilien. Neben sozialen Aspekten spielen beispielsweise Umweltzerstörung oder tödliche Arbeitsunfälle beim Bau von Stadien und Infrastruktur eine wichtige Rolle. Auch die allgegenwärtigen Korruptionsvorwürfe sind bedeutendes Governance-Thema.

Wie gehen Asset Manager vor, um die Wünsche Institutioneller Investoren nach nachhaltigen Investments in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen?
Permoser:
Die Beurteilung von Großereignissen unter Nachhaltigkeitskriterien steckt noch in den Kinderschuhen. In unseren Gesprächen mit ESG-Ratingagenturen zeigte sich, dass sich Mega-Events nicht klar bewerten lassen: Ausrichter solcher Sportereignisse ist meist eine staatsnahe lokale Organisation und Veranstalter ist zumeist ein privater Verein, wie zum Beispiel die Fifa. Ist nun das Unternehmen Adidas, in das wir investieren könnten, verantwortlich dafür, was die Fifa macht? Und: Wer baut die Stadien in Katar? Die Zusammenhänge sind oft so undurchsichtig, dass es schwerfällt, unternehmerische Verantwortung festzumachen. Bei Mega-Events scheint es so zu sein, dass Verantwortung so lange ‚privatisiert‘, anonymisiert, delegiert und geteilt wird, bis am Ende ein großes Geschäft ohne Verantwortung übrig bleibt. Vor diesem Hintergrund haben wir schon im Vorfeld zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014 im Rahmen unseres Engagement-Ansatzes betreffende Unternehmen gefragt, welche Möglichkeiten sie sehen, große Sportveranstaltungen nachhaltiger zu gestalten.

Welche Erfahrungen haben Sie dabei gesammelt?
Manche Unternehmen reagierten sofort auf unser Engagement. Offensichtlich war diesen Unternehmen klar, dass sie mit der Weltmeisterschaft in Brasilien in Verbindung gebracht werden und daraus auch eine entsprechende Verantwortung erfolgt. Mit Adidas, Continental und Sony konnten wir ausführliche Engagement-Aktivitäten durchführen. Andere Unternehmen wie Johnson & Johnson machten jedoch von Anfang an deutlich, dass sich zu diesem Thema nicht äußern. Ein Ziel der Unternehmen, die sich äußerten, war den Fußball als Sport populärer und verfügbarer zu machen. In einzelnen Fällen erhielten wir auch erfrischend ehrliche Antworten: Continental gab an, dass sich am Ende alles um die Bekanntheit der Marke und die Umsatzsteigerungen drehe. Viele Unternehmen wollte die Frage, wie sie zu den derzeitigen Protesten stehen, unter dem Hinweis auf interne Unternehmensrichtlinien aber nicht beantworten. Adidas und Continental fühlen sich für die Proteste nicht direkt verantwortlich und sehen die Fifa Selbst und den Staat als Ansprechpartner für die Nachhaltigkeit von Groß-Events Jedes beteiligte Unternehmen, mit dem wir gesprochen haben, versucht aber, die Gesellschaft im Austragungsland zu unterstützen. So wurden beispielsweise zahlreiche soziale Projekte für Kinder zur Förderung von Sport und Schulbildung ins Leben gerufen.

Wie wird sich Engagement bei Sportgroßveranstaltungen in der Zukunft entwickeln?
Es wird immer deutlicher, dass auch Investoren einen ausführlicheren Dialog mit den am Event beteiligten Parteien führen müssen. Aus diesem Grund will die Erste Asset Management mit dem Engagement-Experten GES gemeinsam einen Investorenkreis gründen. Dieser soll periodisch Engagement-Aktivitäten durchführen, die sich nicht nur auf die Fußball-Weltmeisterschaft, sondern auf alle großen Sportereignisse und ihre Sponsoren beziehen.

Weitere Information: Erste Asset Management GmbH

 

 

 

 

 

 

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