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Ulrike Rabmer-Koller, Rabmer Gruppe

Innovative Lösungen für den Klimaschutz

Ulrike Rabmer-Koller
Foto: Sabine Kneidinger

Energie aus Abwasser: Abwasser steht als erneuerbare Energiequelle ganzjährig, rund um die Uhr zur Verfügung. Die Temperatur beträgt im Kanal zwischen 12 und 18 °C und ist damit auch im Winter höher als die Temperatur von Außenluft, Erdwärme oder Grundwasser. Studien zeigen, dass bis zu 14 Prozent des benötigten Wärmebedarfs von Gebäuden aus der Energiequelle Abwasser gedeckt werden können. Dazu kommt der enorme und stetig ansteigende Bedarf an Kälte, der ebenfalls aus Abwasserenergie erzeugt werden kann. Rabmer kombiniert innovative Wärmetauscher mit speziellen Wärmepumpen. So kann die bisher weitgehend ungenutzte Energie zum Heizen und Kühlen von Gebäuden verwendet werden. Mit dieser Technologie leistet die Rabmer Gruppe einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende.

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Barbara Coudenhove-Kalergi, Laudatorin, Ulrike Rabmer-Koller, Roswitha Reisinger, BUSINESSART Foto: feelimage/Matern

Ulrike Rabmer-Kollers Eltern gründeten das Unternehmen 1963 auf dem Vierkanthof der Großeltern. Familie, Traditionen, die Verwurzelung in der Region und die Verbundenheit zur Natur spielten seit Beginn eine wichtige Rolle. Dass Nachhaltigkeit ein großes persönliches Anliegen für Rabmer-Koller ist, hat mit ihrem Aufenthalt in den USA zu tun: „Ich wohnte an einem großen See, in dem keiner schwimmen gegangen ist, weil das Wasser verschmutzt war.“ Seither lässt sie das Thema „Lösungen für den Umweltschutz“ nicht mehr los.

„Bei den Arbeiten am Kanal – im Zuge von Rohrsanierungen und -überprüfungen – stellten wir fest, dass das Abwasser im Kanal eine hohe Temperatur aufweist.“ Enorme Mengen an Energie werden zur Warmwasserproduktion benötigt und dann ungenützt über die Kanäle zur Kläranlage geleitet. „Das könnte man doch sinnvoll nutzen.“ Gedacht – getan: Rabmer entwickelte gemeinsam mit Partner*innen eine innovative Technologie, um die Abwasserenergie zurückzugewinnen und zum erneuerbaren Heizen und Kühlen von Gebäuden zu nutzen.Für Unternehmer*innen bedeutet der Klimaschutz zugleich Pflicht und Chance. Viele fühlen sich von den zu erfüllenden Anforderungen überfordert. Unternehmenserfolg und nachhaltiges Wirtschaften schließen sich für mich aber nicht aus. Mein Ziel ist es zu zeigen, dass Klimaschutz und Wirtschaft kein Gegensatz, sondern ein wichtiges Zusammenspiel sind. Innovation und Technologie sind dabei der Schlüssel.“

BUSINESSART: Wie wichtig ist es für den wirtschaftlichen Erfolg, Klimaschutz strategisch mitzudenken?

Ulrike Rabmer-Koller: Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz sind schon immer wesentliche Elemente unserer Firmenphilosophie und -strategie. Laufend bauen wir unsere Dienstleistungen und Produkte dahingehend weiter aus und tragen gemeinsam mit unseren Kund*innen dem Klimaschutz Rechnung und vereinen Wirtschaftlichkeit mit Umwelt- und Klimaschutz. Wir haben von Anfang an auf moderne Technologien gesetzt und konnten uns so von einer regionalen Baufirma zum Europapionier in der grabenfreien Rohrsanierung sowie zum Vorreiter bei der Gewinnung von erneuerbarer Energie aus Abwasser entwickeln. Wir sind darüber hinaus Klimabündnisbetrieb und setzen auch am Unternehmensstandort auf Nachhaltigkeit, zum Beispiel was E-Mobilität, PV-Anlagen, Heizen mit Abfallholz von Bau und Zimmerei, Bienenwiese u.v.m. angeht.

Was waren die größten Meilensteine auf diesem Weg?
Vor über 30 Jahren haben wir schon das Potenzial von Umwelttechnologien erkannt, heute sind wir zentraler Player. Zahlreiche erfolgreich umgesetzte Projekte im In- und Ausland, mehrere Patente sowie Ehrungen wie der GBB Award, der Energy Globe Award, der Regionalitätspreis, das Bundesumweltzeichen und der Hermes.Klimaschutz.Preis bestätigen unseren gewählten Weg.

Wie funktioniert die Energiegewinnung aus Abwasser?

Wir nutzen die Energie im Abwasser zum Heizen und Kühlen von Gebäuden. Dazu werden Wärmetauscher im Kanal verbaut bzw. bei größeren Anlagen außerhalb des Kanals in einem Technikraum platziert und dann das Abwasser über einen Bypass aus dem Kanal entnommen und vorgereinigt zu den Wärmetauschern gepumpt, wo die Wärme im Heizbetrieb bzw. Kälte im Kühlfall entnommen und dann Wärmepumpen zur Verfügung gestellt wird. Diese bringen dann die Temperatur auf die erforderliche Höhe zum Heizen im Winter und zum Kühlen im Sommer. Abwasser hat eine sehr hohe Ausgangstemperatur und deshalb sind Abwasserenergie-Anlagen auch effizienter und wirtschaftlicher als z.B. Außenluft, Erdwärme oder Grundwasser. Weiters gibt es noch kleinere Anlagen für Küchen, Schwimmbäder oder auch Wäschereien zum Vorerwärmen von Frischwasser.

An welche Zielgruppe richten Sie sich mit Ihrer Technologie – Industrie, großvolumige Wohn- oder Bürogebäude oder auch an Einzelhaushalte?
Unsere Lösungen beginnen bei einem Energiebedarf von rund 50 kW. Der Kund*innenkreis ist weit gefächert, das sind vor allem Industrie- und Gewerbebetriebe, Hotels, Gesundheitsbetriebe, Einkaufszentren sowie größere Bürogebäude und Wohnhäuser. Die gewonnene Energie kann aber auch in Nah- oder Fernwärmenetze eingespeist werden.

Aufgrund der höheren Temperaturen des Abwassers sind die Geräte effizienter als etwa Luft- oder Erdwärmepumpen. Wie schaut es mit den Kosten aus?
Wir sehen bei unseren Projekten, dass wir aufgrund der Ausgangstemperaturen im Kanal, z.B. 12°C im kalten Jänner, tatsächlich Vorteile im Betrieb gegenüber anderen Technologien haben. Betrachtet man die Investitionskosten, so liegen wir im Vergleich zur Geothermie deutlich darunter. Luftwärmepumpen sind bei der Investition kostengünstiger, da diese im Regelfall keine vorgelagerten Wärmetauscher einsetzen. Was den laufenden Betrieb betrifft, haben wir aber große Vorteile gegenüber anderen auf Wärmepumpen basierenden Systemen. Wir arbeiten mit COP-Werten von durchschnittlich 5, das bedeutet, dass die Wärmepumpe mit 1 kWh Strom 5 kWh Wärme erzeugen kann, was sehr gut ist. Zum Vergleich arbeiten Luftwärmepumpen mit deutlich niedrigeren COP-Werten im Bereich von rund 3, das heißt, hier wird deutlich mehr Strom benötigt, um dieselbe Wärmemenge zu produzieren.

Welche Vorteile der Wärmenutzung aus dem Abwasser ergeben sich sonst noch?
Studien zeigen, dass bis zu 25 Prozent des benötigten Wärmebedarfs aus der Energiequelle Abwasser gedeckt werden kann. Dazu kommt der enorme und stetig ansteigende Bedarf an Kälte, welche ebenfalls aus Abwasserenergie erzeugt werden kann. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Dekarbonisierung des Wärmesektors geleistet. Des Weiteren steht das Abwasser regional, ganzjährig und rund um die Uhr zur Verfügung – so machen wir uns unabhängig von importierten Energiequellen, wie z.B. Gas oder Öl. Die Anlagen, die wir einsetzen, sind darüber hinaus sehr langlebig. Die Wärmetauscher, die im Kanal verbaut werden, haben eine Lebensdauer von rund 40 Jahren und benötigen kaum Wartung. Zusätzlich werden die eingesetzten Wärmepumpen mit grünem Strom (z.B. aus Photovoltaik-Anlagen) betrieben, um hier wirklich komplett CO2-neutrale Wärme und Kälte zur Verfügung stellen zu können. Ganz wichtig ist natürlich auch, dass in den meisten Fällen die Amortisationszeit der Anlagen aufgrund der extrem niedrigen Betriebskosten bei etwa 6 Jahren liegt – bei Industriebetrieben mit hohen Ausgangstemperaturen im Kanal oft sogar niedriger. Zudem werden Investitionen in derartige Anlagen vom Bund und den Ländern mittlerweile gefördert.

Nachhaltigkeit in Ihren Branchen Hochbau, Tiefbau, Umwelttechnik:

Wo stehen die drei Branchen auf dem Weg zur Nachhaltigkeit auf einer Skala von 0 (kein einziger Schritt gesetzt) bis 10 (alles geschafft)?
Bei der Umwelttechnik stehen wir bei 10 – es gibt zahlreiche innovative Firmen, die mit neuen Ideen und modernster Technik ihren Kund*innen dabei helfen, nachhaltiger zu werden und Ressourcen zu schonen bzw. effizient einzusetzen.
In der Bau-Branche besteht noch Aufholbedarf, da haben wir meiner Meinung nach erst die Hälfte des Weges hin zu mehr Nachhaltigkeit geschafft.

Was sind die drei wesentlichen Nachhaltigkeits-Herausforderungen in Ihrer Branche?
Um die Bau-Branche nachhaltiger zu machen, gilt es folgenden Punkte neu zu denken:

  • Materialien und Baustoffe
  • Transport und Mobilität
  • Bodenverdichtung- bzw. -versiegelung

In der Umwelttechnik-Branche sieht es anders aus:
Es gibt bereits viele innovative Technologien. Jetzt heißt es, diese flächendeckend auszurollen und umzusetzen.

Was sind die wichtigsten Maßnahmen, um diese zu meistern?
Bei Baumaterialien und deren Herstellung gilt es, den CO2-Ausstoß zu mindern. Das reicht aber noch nicht – man muss sich bereits von Beginn an die Frage stellen, wie Rohstoffe optimal gewonnen, eingesetzt und dem Kreislauf zurückgeführt werden können. Erfolgreiche Kreislaufwirtschaft schont das Klima, spart Ressourcen und ermöglicht nachhaltige Wertschöpfung. Gleichzeitig wird eine Bestandsimmobilie erhalten und es wird keine extra Bodenfläche verbaut.

In der Umwelttechnik braucht es für den großen Umschwung auf innovative, nachhaltige Technologien die vier „Is“: Das ist zunächst die Innovation, mit der die notwendige technische Entwicklung vorangetrieben werden soll. Um diese flächendeckend ausrollen zu können, benötigen wir Investitionen – sowohl von privater Seite als auch von der öffentlichen Hand. Einen hohen Stellenwert hat auch die Information, mit der eine breite Bewusstseinsbildung bei Unternehmen, aber auch in der Bevölkerung erreicht werden soll. Und schließlich braucht es noch die Internationalisierung, wodurch neue Technologien auch in anderen Ländern wesentlich zum Klimaschutz beitragen.

Zu Ihnen als Person:

Was bedeutet „gestalten“ für Sie?

Grundsätzlich möchte ich immer Dinge zum Besseren bewegen und die Rahmenbedingungen entsprechend verändern. Gestalten ist für mich aber nicht nur ein aktiver Prozess, sondern auch eine Haltung, die die kontinuierliche Verbesserung und Anpassung an sich verändernde Umstände und Anforderungen bedeutet. Es heißt somit auch Verantwortung zu übernehmen und positive Veränderungen proaktiv anzugehen. Für mich geht es dabei vor allem darum, mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit eine lebenswerte Zukunft zu gestalten. Insgesamt betrachte ich „das Gestalten“ als eine zentrale Komponente in meinem Leben, die es mir ermöglicht, aktiv an der Entwicklung und Umsetzung von Lösungen teilzunehmen und so einen Mehrwert – einerseits für das Unternehmen und andererseits für die Umwelt – zu schaffen.

Wie lautet der Leitsatz Ihres Lebens?
Ich bin sehr dankbar für das bisher Erreichte, sowohl beruflich auch als privat, und sehe in allen Bereichen grundsätzlich das Positive und die Chancen. Für mich ist ein Glas immer halb voll.

Ulrike Rabmer-Koller,
Foto: Sabine Kneidinger

Rabmer Gruppe, Altenberg/OÖ

Branche: Hochbau, Tiefbau, Umwelttechnik

Anzahl der Mitarbeiter*innen: 110

Website: www.rabmer.at