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Nachhaltige Gestalter*innen 2010

Ihre positive Energie ist ansteckend. Sie haben meist schon in ihrer Jugend erkannt, wie wertvoll ein sorgsamer Umgang mit den Ressourcen und ein liebevoller Umgang mit den Menschen sind.

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Sie haben ihre Visionen von einer besseren, zukunftsfähigen Welt in ihre Unternehmen, in ihre Büros und in ihr privates Engagement mitgenommen und leben diese ganz selbstverständlich.

Wir nennen sie die „nachhaltigen Gestalter“ und bitten 30 von ihnen vor den Vorhang, wohl wissend, dass es hunderte weitere Personen ebenso verdient hätten, auf dieser Bühne zu stehen.

Die Auswahl ist das Ergebnis einer Umfrage, die wir bei rund 500 Personen aus Wirtschaft, Non Profit Organisationen und MitarbeiterInnen in öffentlichen Einrichtungen gemacht haben. Sie haben insgesamt 220 Personen nominiert, die sich aus ihrer Sicht ganz besonders für eine nachhaltige Entwicklung engagieren. Aus der Häufigkeit der einzelnen Nominierungen ist eine Reihung entstanden, die wir hier abbilden.

Die drei TOP-Nominierten dieser Wahl haben Roswitha Reisinger und Christian Brandstätter, LEBENSART, in der Wiener Weinbar Tinto Rosso zum Gespräch getroffen: Josef Zotter (Zotter Schokoladen Manufaktur), Rita Trattnigg (Lebensministerium) und Christian Felber (ATTAC).


 

Die Reihung:

Die TOP-Zehn der Wirtschaft

1. Platz
Josef Zotter, Zotter Schokoladen Manufaktur
Die süßen Seiten des Lebens scheint er für sich gepachtet zu haben. 1999 startete er mit der Schokoladen Manufaktur am elterlichen Hof in Riegersburg durch. Mit viel Liebe und Einfallsreichtum stellt er mit „den 100 besten MitarbeiterInnen der Welt“ Schokoladen aus biologischen und fair gehandelten Zutaten her. Mit seinen Kakaobauern pflegt er intensiven Kontakt und unterstützt lokale Projekte in Süd- und Mittelamerika. Auf dem Areal um die Manufaktur können Besucher in einem  kreativen Bio-Bauernhof alte Nutztierrassen kennen lernen.

2. Platz
Heini Staudinger, GEA
Regional angepasstes Wirtschaften, verbunden mit sozialer und ökologischer Verantwortung ist sein Credo. Seine Werkstätten sind energieautark, in seinen Publikationen setzt er sich für soziale Gerechtigkeit ein, vehement tritt er gegen die Auswüchse des Turbokapitalismus auf und unterstützt Gesundheitsprojekte in Afrika.

  3. Platz
Johannes Gutmann, Sonnentor
„Das, was ich schon viele Jahre erzähle, ist in der Krise für viele interessant geworden“. Sonnentor hat gezeigt, dass es auch anders geht und im letzten Jahr in die Zukunft investiert. Im Vertrauen auf das eigene Wirken, die Nachhaltigkeit und in die Kunden, die diese Werte schätzen.

4. Platz
Hannes Offenbacher, Mehrblick:

Er ist in der jüngeren Generation Österreichs sicher einer der innovativsten und aktivsten Köpfe. Wichtig ist ihm, die Energie des Unternehmertums mit Kreativität und neuen Kommunikationsformen (z.B. IdeenAlm) zu verbinden. „Nachhaltige Entwicklung ist eine schöne, große und komplexe Herausforderung. Die Potentiale sind groß und es macht Spaß, sie zu entdecken und zu nutzen“. 

 

5. Platz
Ernst Gugler, gugler cross media

„Das wahre Glück entsteht nur durch eine gute Beziehung zu uns selbst, zu den Mitmenschen und zur Umwelt.“ In „Beziehungsworkshops“ und „Achtbarkeitstagen“ hat der nachhaltige Vorzeigeunternehmer das Profil des Unternehmens weiter geschärft. Seine Vision: Achtsames Wirtschaften zum Wohle der Menschen und der Erde.

6. Platz:

Fred Luks, Bank Austria

Sein Buch „Endlich im Endlichen - Warum die Rettung der Welt Ironie und Großzügigkeit erfordert“ ist ein neuer Gedanke zur Nachhaltigkeit, der einen wichtigen Schritt voran bringen kann. „Schön ist das große Interesse für Nachhaltigkeit, das in der Bank entstanden ist. Sehr viele Menschen in der Bank Austria sehen die Nachhaltigkeit heute als zentrales Thema für unsere Identität.“

7. Platz
Alfred Strigl, plenum
Er ist ein unbeirrbarer und strahlender Mensch, der andere - auch in Führungsebenen großer Konzerne - zum Umdenken bringt. „Wir stehen vor einem Jahrzehnt, das einen tiefgreifenden Umbau unserer Systeme abverlangen wird. Dazu braucht es positive Kräfte und eine Kultur der Lebensfreundlichkeit. Wir müssen das Alte „gut sein“ lassen und das Neue kraftvoll ins Leben bringen.“
 

8. Platz:
Christian Hlade, Weltweitwandern

Er ist Vorreiter im Bereich „ökologisch verträglicher Tourismus“ und einer der engagiertesten und innovativsten Veranstalter. „Das letzte Jahr hat uns durch die Flutkatastrophe in Ladakh und durch den Büroneubau wirklich gefordert. Da hat sich erst gezeigt, wie gut die Zusammenarbeit und der Zusammenhalt unserer MitarbeiterInnen, PartnerInnen und KundInnen funktioniert.“ 

9. Platz:
Michaela Reitterer, Hotel Stadthalle
Sie hat weltweit das erste Stadthotel mit Null-Energie-Bilanz gebaut. Eine Vorreiterrolle nimmt sie nicht nur im ökologischen Bereich ein, auch die gute Zusammenarbeit der 30 Mitarbeiter aus 13 Nationen ist für sie ein Anliegen und eine große persönliche Bereicherung.
 

 

10. Platz:
Fritz Hinterberger, SERI
Er hat ein Unternehmen aufgebaut, das fundierte Beiträge zur Nachhaltigkeit in Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung leistet. „Die größte Herausforderung besteht aus meiner Sicht darin, mit Entscheidern aus Wirtschaft und Politik ins Gespräch zu kommen und gemeinsam etwas zu bewegen“.
 



 


Die Top-Zehn der Non Profit-Organisationen

1. Platz
Christian Felber, attac

Er ist Gründungs- und Vorstandsmitglied der globalisierungskritischen Bewegung „attac“, Lektor an der Wirtschaftsuniversität Wien, Buchautor und freier Publizist. Sein Einsatz gilt einem Wertewandel in Wirtschaft und Gesellschaft für mehr Solidarität, Ökologie und Demokratie. In scharfen Analysen hält er den ökonomischen Fehlentwicklungen einen Spiegel vor. Sein alternatives Wirtschaftsmodell, das auf Kooperation, Mitbestimmung und Selbstverwirklichung setzt, nennt er „Gemeinwohl-Ökonomie“. Nicht der Finanzgewinn soll im Mittelpunkt unternehmerischen Handelns stehen, sondern das größtmögliche Gemeinwohl. Sein Buch dazu ist kürzlich erschienen.

2. Platz:
Hartwig Kirner, FairTrade

Weil jeder der 7 Milliarden Menschen das Recht auf ein menschenwürdiges Leben hat und weil er möchte, dass seine Enkelkinder einen lebenswerten Planeten vorfinden, engagiert er sich für eine nachhaltige Entwicklung. „Der faire Handel ist einer der effizientesten Wege, dass Menschen in die Lage versetzt werden, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.“
 

3. Platz:
Herbert Greisberger, ÖGUT
Kooperationen sind für ihn entscheidend. Seit mehr als einem Jahrzehnt knüpft er ein Nachhaltigkeitsnetzwerk. So ist auch der aktuelle Zukunftsdialog entstanden, in dem 50 Organisationen und 1100 ExpertInnen Leitlinien für nachhaltiges Handeln entwickeln.

4. Platz
Roman Mesicek, respACT
Er steht als Manager des nachhaltigen Unternehmens-Netzwerks für Kontinuität im Ringen um unternehmerische Verantwortung (CSR). Mit der Vision 2050 – im Jahr 2050 leben rund 9 Milliarden Menschen gut und im Einklang mit den begrenzten Ressourcen der Erde - haben sich die Unternehmen ein sowohl anspruchsvolles wie anstrebenswertes Ziel gesetzt. „Unternehmen können enorm viel leisten, wenn sie nachhaltiges Handeln als Chance erkennen.“

5. Platz
Wolfgang Pekny, Plattform Footprint
Wie kaum ein anderer in Österreich kann er komplexe Themen in einfachen Bildern bringen. Er ist ein unermüdlicher Kämpfer für Ressourcenschonung und Verteilungsgerechtigkeit und bietet sowohl KonsumentInnen als auch Unternehmen mit dem footprint ein einfaches System, den individuellen Ressourcenverbrauch festzustellen.


6. Platz

Helmut Adam, Südwind Agentur
„Wenn es einmal eine Tätigkeit gibt, bei der ich mich für eine faire Welt engagieren kann, werde ich das tun“. Mit dieser Erkenntnis kam er aus Nicaragua zurück und arbeitete am Aufbau der FairTrade Initiative. In der Südwind-Agentur setzt er sich aktuell unter anderem für eine sozial verträgliche öffentliche Beschaffung und für nachhaltige Bedingungen in der Computerproduktion ein.

  

7. Platz
Claudia Sprinz, Greenpace – marktcheck.at
Sie setzt sich mit dem Marktcheck sehr erfolgreich für nachhaltigen Konsum ein, der sich auch in ihrer persönlichen Haltung widerspiegelt. „Anfangs wurde die Konsumenteninformation von Firmen schlichtweg ignoriert. Mittlerweile umfasst die Bewertung mehr als 4.000 Produkte. KonsumentInnen schätzen es sehr, wenn sie präzise Informationen für ihre Kaufentscheidungen haben“.

8. Platz
Erik Schnaitl, Verein Fairkehr
„Schon als junger Mensch hat mich die aggressive Stimmung auf der Straße gestört: Autos im Stau, Fahrräder, die an den Rand gedrängt werden und Fußgänger, die die Abgase schlucken müssen“. Mit seinem Engagement und unkonventionellen Ideen gelingt es ihm, dass Menschen Straßen als Lebens- und Begegnungsräume erleben.
 

9. Platz
Christian Baumgartner, Naturfreunde International
Er setzt sich seit vielen Jahren und großer Leidenschaft für nachhaltige Ansätze in der Tourismuswirtschaft ein. „Wichtig wäre, die Herausforderungen des Klimawandels und des demographischen Wandels offensiv anzunehmen und grundlegende strukturelle Änderungen durchzuführen. Österreich könnte sich mit Bioprodukten und regionalen Besonderheiten noch viel stärker positionieren“.
 

10. Platz
Josef Kreithmayer, get active
Authentischer Multiplikator, jung, dynamisch, politisch wirkungsorientiert, sozial vernetzt, und vielseitig interessiert. „Ich will junge Menschen bestärken, selbst Gestalter in der Welt zu sein, sich seiner selbst bewusst zu sein und seine Möglichkeiten zu nutzen.“

Die Top-Zehn in den Öffentlichen Einrichtungen:
 

1. Platz
Rita Trattnigg, Lebensministerium
Sie ist Politikwissenschafterin und arbeitet im Lebensministerium als Expertin für Nachhaltige Entwicklung. Sie versteht es zu vernetzen, Menschen und Inhalte zusammenzubringen und neue Orte des Austauschs zu schaffen. Sie setzt neue Themen und inspiriert Menschen, aktiv zu werden. Eines ihrer besonderen Anliegen ist es, die scheinbar widersprüchlichen Themen „Wachstum“ und „Nachhaltigkeit“ ins Gespräch zu bringen. Galt es bislang als Tabubruch, Wirtschaftswachstum kritisch zu hinterfragen, ist es ihr und ihren MitstreiterInnen wie Sissy Freytag und Fritz Hinterberger mit dem Projekt „Wachstum im Wandel" gelungen, neue wissenschaftliche Ansätze dazu breit zu diskutieren und Lösungen zu erarbeiten.

2. Platz
Wolfram Tertschnig, Lebensministerium
Er ist im Ministerium die Triebfeder für Nachhaltigkeit und mit viel Herzblut bei der Sache. „Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung. Gleichzeitig sind wir bei vielen Zielsetzungen weit davon entfernt. Da braucht es Bildung und die gezielte Ausrichtung von Förderungen und Steuern. Der Rasenmäher oder das St. Florian Prinzip sind dafür nicht geeignet.“


 

3. Platz
Thomas Steiner, Land Niederösterreich
„Antworten auf komplexe Fragen sind letztlich einfach - nur der Weg dorthin ist steinig und mühsam. Nachhaltigkeit hilft, am Weg zu bleiben.“ Seine besondere Stärke liegt darin, dass Nachhaltigkeit ressort- und länderübergreifend erfolgreich bearbeitet wird. 

 

4. Platz
Karl Kienzl, Umweltbundesamt
Er prägt als Leiter der Unternehmensstrategie maßgeblich die Ausrichtung des Umweltbundesamt zu einer ExpertInneneinrichtung, die umfassende Grundlagen für eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft erarbeitet. Besonders wichtig ist ihm darüber hinaus mit allen Beteiligten – Poltik, Unternehmen, Länder - in Dialog zu treten und ökologische Perspektiven anzubieten -in Österreich und auf internationaler Ebene

5. Platz
Elisabeth Freytag, Lebensministerium
Verantwortlich für das Thema Nachhaltigkeit zwischen Österreich und der EU hat sie – gemeinsam mit Wolfram Tertschnig – das europäische Netzwerk für nachhaltige Entwicklung ESDN gegründet, dem 33 Länder angehören. „Eine absolute Entkoppelung von Ressourcenverbrauch und Wirtschaftswachstum ist notwendig, damit die Lebensqualität steigen kann.“

6. Platz
Michael Paula, BM für Verkehr, Innovation und Technologie
Als Student für Maschinenbau erlebte er, dass die Rolle des Technikers umstritten war, weil nicht auf die Bedürfnisse der Menschen geschaut wurde – Stichwort Zwentendorf und Hainburg. Seit 25 Jahren lenkt er erfolgreich einen großen Teil der österreichischen Nachhaltigkeitsforschung. „Für eine nachhaltige Entwicklung braucht es nicht marginale Verbesserungen, sondern radikale Veränderungen.“ 



 

7. Platz
Christian Gummerer, Land Steiermark
Er managt gemeinsam mit seinen MitarbeiterInnen die Nachhaltigkeitsprozesse in der Steiermark und versucht dabei, möglichst konkrete Umsetzungsergebnisse zu erzielen. „Wir machen Ideenräume auf, für die Menschen vor Ort. Die Erfahrung zeigt, dass die daraus entstehenden Projekte kleiner, überschaubarer und lebensnäher sind. Und 100% erfolgreich“.
 

8. Platz

Manfred Hellrigl, Land Vorarlberg
Er ist mit seinem Büro für Zukunftsfragen ein Spezialist für innovative Methoden und soziale Prozesse für den zukunftsfähigen Wandel. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich Kampagnen relativ rasch totlaufen, weil sich die Menschen nicht sagen lassen, was sie tun sollen. Sie wissen selbst, was das richtige ist und wir unterstützen sie dabei, das herauszufinden.“
 

9. Platz
Robert Thaler, Lebensministerium
Als Student hat er sich zu Beginn der 1980er Jahre für eine umweltfreundliche Mobilität engagiert und den VCÖ mitgegründet. Im Ministerium setzt er heute mit dem klima:aktiv mobil Programm diese Leidenschaft in die Praxis um. „In zahlreichen praktischen Projekten zeigen wir, dass nachhaltige Mobilität nicht nur möglich ist sondern auch einen Gewinn an Komfort und Lebensqualität bringt.“

10. Platz
Günther Humer, Land Oberösterreich
„Ich möchte dem Leben zuarbeiten. Es schmerzt mich, wenn es gegen das Leben geht.“ Nicht nur als Agenda 21-Koordinator in OÖ motiviert und begleitet er Menschen in den Gemeinden, auch privat unterstützt er als Obmann der Spes Zukunftsakademie Bildungsprozesse für Nachhaltigkeit in Unternehmen, Organisationen und Vereinen.

 

(Fotocredits: Weltweitwandern, Umweltbundesamt/Newman, Tone Sutterly, Thaler, Sonnentor, Shaohui He, Steiner, Paula, Luks, Oleksandr Gnat Hnatenko, Oegut, Michi Königshofer, Lebensministerium, Humer, Staudinger, Hochstoeger, Greenpeace, Gerhard Klocker, Furgler, Gugler, Adam, Fairtrade, David M. Peters, Steven, Boutiquehotel Stadthalle, Anita Pinter, Aleksandra Pawloff)

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